Die Häuser Mendelstraße 7 & 9 im Stadtteil Pankow wurden im Mai 2019 an die Wohninvest Prio GmbH verkauft – eine Gesellschaft der Mähren AG. Zu dem Zeitpunkt war das Haus sanierungsbedürftig und zu zwei Dritteln entmietet. Im März 2020 wurde es in Einzelwohnungen aufgeteilt, im August begann die Sanierung. Sobald diese abgeschlossen ist, beginnt voraussichtlich der Verkauf der Wohnungen.
Der größte Teil des Hauses steht seit mehreren Jahren leer. Von den 30 Wohnungen sind derzeit nur noch 10 bewohnt. Die bewohnten Wohnungen wurden von den Mietern selbst durch Einbau von Heizungen und Sanitäreinrichtungen in einen bewohnbaren Zustand versetzt.
Wir, die Mieter*innen der Hausgemeinschaft Mendelstraße 7 & 9 wohnen gerne hier. Und wollen gleichzeitig ein Zeichen setzen gegen Entmietung und Vertreibung der alteingesessenen Mieter. Deshalb haben wir uns zusammengetan und sind im Gespräch mit Politikern, der Presse, Initiativen gegen Umwandlung und einer Genossenschaft, die das Haus gerne übernommen hätte.
Damit wollen wir insbesondere auch den Prozess unterstützen, die Umwandlung von Mietshäusern in Eigentumswohnungen – wenn sie einzig der Profitmaximierung in einem mehr als lukrativen Geschäftsmodell dient, ohne Rücksicht auf die Mieter und die Bausubstanz – von gesetzgeberischer Seite einzudämmen. Diese Zusammenhänge wurden in einem Beitrag der ARD dargestellt, in denen wir auch kurz zu Wort kommen: https://www.tagesschau.de/multimedia/sendung/bab/bab-5189~_bab-sendung-681.html
Leider wurden bei der laufenden Instandsetzung einige Wohnungen durch die Bauarbeiten bereits in Mitleidenschaft gezogen. Die leerstehenden Wohnungen wurden komplett entkernt, obwohl auch sie über bauzeitliche Türen, Stuck und Gründerzeitkastenfenster verfügten. Dabei ist auch in unseren Wohnungen an vielen Stellen Wasser durch die Decken gelaufen, Risse sind entstanden oder haben sich stark vergrößert. Die Treppenhäuser wurden aufgerissen und nur teilweise wieder verputzt, Elektroleitungen und alte Gasleitungen liegen offen, die nach 6 Monaten Pause wieder stattfindende Reinigung schafft es gerade, den Dreck neu zu verteilen. Lichtschalter gingen kaputt, wurden aber nicht repariert. Nun sind bereits seit 4 Wochen die hofseitigen Fenster mit blauer Folie abgeklebt.
Informationen zu den geplanten und laufenden Arbeiten haben wir nur verzögert und auch nur sehr zögerlich bekommen.
Und so reiht sich auch unser Haus ein in die traurige Reihe von Umwandlungsobjekten in Berlin. Immer mehr Mieter sind von Umwandlung in Eigentum und von Verdrängung betroffen oder bedroht. Der Wohnungsmarkt bietet dadurch immer weniger bezahlbaren Wohnraum. Wir haben uns der Initiative #200Häuser angeschlossen, um daran mitzuwirken, das Aussterben des Mietshauses zugunsten von Spekulationsobjekten zu verhindern. Unser Haus ist nur ein Beispiel von vielen, es handelt sich schon lange nicht mehr um eine Randerscheinung, sondern um ein landesweites Problem. Wenn wir Mieter gemeinsam mit der Politik es nicht schaffen, diese Praxis der Gewinnmaximierung auf Kosten der Mieter zu durchbrechen, wird diese Stadt bald eine andere sein.
Unsere Wohnungen sind unser Zuhause und keine Spekulationsobjekte!
